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MYTHOS ERZ VISION VORDERNBERG

Internationales Artists in Residence Projekt in Vordernberg zur Transformation eines postindustriellen Raums

AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG
Samstag, 18. Juli 2026, 19 Uhr, Radwerk IV

Teilnehmende Künstler:innen
Martin Behr (AT), Johann Dorfmeister (AT), Veronika Erhart (AT), Luise Kloos (AT), Lara Rušec (HR), Davide Skerlj (IT), Nadiia Velychko (UA), Veronika Tzekova (BG), Josip Zanki (HR)

PROGRAMM

Begrüßung
Michael Arno Kanitsch (Bürgermeister Vordernberg)
Günther Kolb/Helga Papst (Verein Freunde des Radwerk IV)
Marco Triller (Klubobmann)

Einbegleitung
Knappschaft Vordernberg
Goldhaubengruppe Vordernberg

Musik
Hartl Musi

Führung durch die Ausstellung
Präsentationsorte: Radwerk IV, Kastenhaus, Ort Vordernberg


WORKSHOPS IN RADWERK IV UND LEHRFRISCHHÜTTE

mit 3. und 4. Klassen der Peter Rosegger VS Trofaiach und 3. Klassen der Josef Krainer VS Gai von 18. Juni – 29. Juni 2026
Führung durch das Radwerk IV und Lehrfrischhütte mit Helga Papst, Werner Gaber
Kunstworkshop zu Zeichnung und Skulptur mit Luise Kloos

FINISSAGE am Samstag, 24. Oktober 2026, 11 Uhr, Radwerk IV

Musikuraufführung zur FinissageKompositionsauftrag an Anselm Schaufler, ausführende Musiker:innen aus dem Raum Vordernberg

Lesung zur Finissage
„…Jeder Name eine Geschichte, jeder Name ein Rätsel,
glühende Schmelze aus Beredsamkeit und Schweigen…“Aus dem Text von Helwig Brunner gelesen von Wolfram Berger

INFORMATION
Tel. 0650 3372097
Web www.radwerk-vordernberg.at
Ausstellungsdauer 19. Juli bis 24. Oktober 2026
Führungen jeden Samstag, 14 Uhr, oder nach Vereinbarung (0650 3372097)


Einführung Vordernberg
Seit seinem Entstehen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war Vordernberg eine Siedlung, in der die Eisenbauern bzw. später die Radmeister genannten Gewerken und die Berg- und Hüttenarbeiter, die Fuhrleute und verschiedene Handwerker und Händler mit ihren Familien wohnten und arbeiteten.

Ein großer Teil des am nahen Steirischen Erzberg abgebauten Erzes wurde hier zu Roheisen geschmolzen. Als ein Zentrum der Roheisenerzeugung war Vordernberg jahrhundertelang einer der bedeutendsten Industrieorte in Mitteleuropa. Seit der Einstellung der mittels Holzkohlehochöfen betriebenen Eisenerzeugung und der Verlagerung der Roheisenproduktion vor allem nach Leoben-Donawitz, ist Vordernberg ein schrumpfender Ort mit vielen Relikten aus seiner industriellen Vergangenheit.

Das Leben in den Orten Vordernberg und Eisenerz war ganz und gar dem Erzabbau verpflichtet. Über 5 000 Menschen haben bis 1986 im Bergbau gearbeitet, heute ist die Situation völlig anders: Rund 250 Menschen sind noch im Bergbau beschäftigt. Diese Veränderung wird an den vielen leerstehenden Wohnhäusern, Geschäften und Gasthäusern sichtbar und prägt den Charakter der schönen, aber leeren alten Orte. Auch das soziale Zusammenleben veränderte sich. Durch die Industrialisierung des Bergbaus schwanden die Möglichkeiten für die Menschen vor Ort zu arbeiten und zu leben. Dennoch hat die Region großes Potential mit seiner reichhaltigen Geschichte, Landschaft und Tradition ein Raum für zeitgenössische Kunstproduktion zu werden, in dem sich die Bevölkerung kreativ einbringen kann, und sich als neuer mythologischer Kraftort zu definieren.

Eisen ist ein Material, das in hoher Qualität weltweit verarbeitet wurde, und dessen Abbau mit starken Traditionen verbunden ist, die bis heute gepflegt werden. Der Beruf des Eisenabbaus kam vorwiegend den Bergmännern zu, aber auch Frauen nahmen insbesondere in der Trennung des Eisens vom tauben Gestein eine wichtige Rolle ein. Durch die schwere und harte Arbeit bildete sich eine große Solidarität untereinander. Die gefährlichen Arbeitsvorgänge im Bergbau sind unmittelbar mit dem Schutz der Heiligen Barbara verbunden. Bergmannslieder schildern die Arbeit der Bergleute, raffiniert einfache Eisenkreuze, Werkzeuge und Monstranzen weisen auf die Bedeutung des Materials Eisen hin. Seit 2018 gilt das obersteirische Bergmannsbrauchtum als immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe.

 

Einführung MYTHOS ERZ
2024 fand zum ersten Mal das internationale Artists in Residence Projekt „MYTHOS ERZ – Vordernberg“ statt. Dabei stellte sich heraus, dass die Teilnahme der Bevölkerung von großem Interesse begleitet war, der Ort Vordernberg interessante Ressourcen an Arbeitsräumen, Werkstätten und Ausstellungsräumen bietet, die reiche industrielle Kulturgeschichte bei weitem noch nicht ausgeschöpft ist, und seitens der Gemeinde Vordernberg und des Radwerks IV eine Fortsetzung begrüßt wird. Insbesondere ist dazu die Einbeziehung der jungen Menschen von Vordernberg und Umgebung wichtig, da die neue Identifikation mit dem Ort Vordernberg und dessen Geschichte der großen Abwanderungsbewegung entgegenwirken und neue Impulse zur Entwicklung des Ortes geben kann. So wurde das internationale Artists in Residence Projekt im Jahr 2025 mit „MYTHOS ERZ ZUKUNFT VORDERNBERG“  fortgeführt. Während die grundlegende Idee des Projekts erhalten blieb, wurde es um neue Schwerpunkte erweitert: allen voran die Einbeziehung der jungen Menschen von Vordernberg und Umgebung durch eine Kooperation mit der Peter Rosegger Volksschule Trofaiach.

2026 wird der Fokus von „MYTHOS ERZ VISION VORDERNBERG“ noch stärker auf die zukünftige Entwicklung des Ortes für nachfolgende Generationen gelegt. Die jungen Menschen der heutigen Generation werden die nächste Jahrhundertwende erleben, sodass sich die Frage stellt, wie am Beispiel des Ortes Vordernberg eine neue, lebenswerte Zukunft zu denken und zu gestalten möglich sein kann und welche konkreten Schritte für diese Zukunft nötig sind.

 

Arbeitsweise und Ziele des Projekts
Der Fokus des internationalen Artists in Residence Projektes liegt auf dem Material Eisen mit den verschiedenen Aspekten:

  • Der Ort: Die Arbeit mit dem öffentlichen Raum, mit der Geschichte, den Traditionen, sozialen Aspekten und der Bevölkerung, die in die künstlerische Arbeit einbezogen wird
  • Kunstpraxis: Verschränkung zeitgenössischer Ideen und digitaler Technologie mit traditioneller Handwerkskunst der Eisenverarbeitung
  • Theoretische Reflexion kulturanthropologischer Fragestellungen

Vordernberg als postindustrieller Ort mit großer industrieller und kulturhistorischer Vergangenheit stellt dem zeitgenössischen Kunstschaffen folgende Fragen:

  • Kann die Fähigkeit der Kunst, tiefe Wahrnehmung und nachdenkliche Zuneigung zu ermöglichen, eine Rolle dabei spielen, wie wir dem Ort und der Landschaft begegnen, in der wir leben?
  • Kann zeitgenössische Kunst einer nun zu Ende gehenden, sich erschöpfenden Landnutzung neue Perspektiven geben?
  • Können künstlerische Arbeiten und Praktiken, Diskussionen und theoretische Überlegungen zu einem stilleren, demütigeren Umgang mit dem Raum und der Landschaft ermutigen?
  • Wie kann zeitgenössische Kunst in einem postindustriellen Raum kulturelles Leben neu entstehen lassen?

Die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler aus den Ländern Österreich, Kroatien, Bulgarien, Ukraine und Italien nehmen am internationalen Artists in Residence Projekt teil. Neue Kunstwerke entstehen in Verbindung mit lokalen Handwerker:innen, der Einbeziehung von Schüler:innen, dem Knappschaftsverein, Diskussionen, anthropologischer Forschung und öffentlichen Performances. Dabei werden der Ort Vordernberg, dessen Geschichte und kulturhistorische Bedeutung, der Bergbau, die Landschaft und die sozialen Lebensverhältnisse der Menschen in den Mittelpunkt gestellt. Die Begegnung mit den vor Ort lebenden Menschen spielt dabei eine zentrale Rolle. Ziel des Projektes ist es, mit zeitgenössischer Kunst Impulse für die Entwicklung des postindustriellen, ländlichen Raumes Vordernberg zu setzen.


Kooperationspartner
Peter Rosegger Volksschule Trofaiach, Josef Krainer Volksschule Gai, Marktgemeinde Vordernberg, Verein Freunde des Radwerks IV, Kulturvermittlung Steiermark, VA Erzberg, SPÖ Frauen, Knappschaft Vordernberg, Goldhaubengruppe Vordernberg

Finanzierung durch
Land Steiermark Kultur, Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport, Land Steiermark Bildung und Gesellschaft, OeAD, Marktgemeinde Vordernberg, VA Erzberg

Projektassistenz
Marie Maierhofer

Projektleitung
Luise Kloos

Organisation
next – Verein für zeitgenössische Kunst
www.nextkunst.at
T 069911460941, luisekloos1@gmail.com

 

MYTHOS ERZ VISION VORDERNBERG

International Artists in Residence project in Vordernberg on the transformation of a post-industrial space

EXHIBITION OPENING
Saturday, Juli 18th 2026, 7 p.m., Radwerk IV

Participating artists
Martin Behr (AT), Johann Dorfmeister (AT), Veronika Erhart (AT), Luise Kloos (AT), Lara Rušec (HR), Davide Skerlj (IT), Nadiia Velychko (UA), Veronika Tzekova (BG), Josip Zanki (HR)

 

PROGRAM

Welcome
Michael Arno Kanitsch (Mayor of Vordernberg)
Günther Kolb/Helga Papst (Freunde des Vereines Radwerk IV)
Marco Triller (club president)

With participation of
Knappschaft Vordernberg
Goldhaubengruppe Vordernberg

Music
Hartl Musi

Guided tour through the exhibition
Exhibition venues: Radwerk IV, Kastenhaus, Vordernberg public space

 

WORKSHOPS AT RADWERK IV AND LEHRFRISCHHÜTTE

With 3rd und 4th classes of Peter Rosegger Elementary School Trofaiach and 3rd classes of Josef Krainer Elementary School Gai from 18th of June to 29th of June 2026
Guided tour at Radwerk IV and Lehrfrischhütte by Helga Papst, Werner Gaber
Art Workshop / drawings and objects with Luise Kloos

FINISSAGE on Saturday, 24th of October 2026, 11 a.m., Radwerk IV

Music at the Finissage
Commissioned composition by Anselm Schaufler, performed by musicians from the Vordernberg area

Reading at the Finissage
“…Every name a story, every name a mystery,
a glowing fusion of eloquence and silence…”
From a text by Helwig Brunner, read by Wolfram Berger

 

INFORMATION
Tel. 0650 3372097
Web www.radwerk-vordernberg.at

Duration of the exhibition 19th of July to 24th of October 2026
Guided tours every Saturday at 2 p.m. and upon request (0650 3372097)


Introduction Vordernberg
From its origins until the end of the 19th century, Vordernberg was a settlement in which the ironworkers, “Gewerke” later known as wheelwrights, miners and smelters, carters and various craftsmen and traders lived and worked with their families.

A large proportion of the ore mined at the nearby Styrian Erzberg was smelted into pig iron here. As a center of pig iron production, Vordernberg was one of the most important industrial locations in Central Europe for centuries. Since the discontinuation of iron production using charcoal blast furnaces and the relocation of pig iron production, mainly to Leoben-Donawitz, Vordernberg has become a shrinking town with many relics from its industrial past.

Life in the villages of Vordernberg and Eisenerz was entirely dedicated to ore mining. Over 5,000 people worked in mining until 1986. Today the situation is completely different: around 250 people are still employed in mining. This change can be seen in the many empty houses, stores and inns, and shapes the character of the beautiful but empty old villages. Social life also changed. Due to the industrialization of mining, the opportunities for local people to work and live dwindled. Nevertheless, with its rich history, landscape and tradition, the region has great potential to become a space for contemporary art production in which the population can contribute creatively and to define itself as a new mythological place of power.

Iron is a material that has been processed in high quality all over the world. Its extraction is associated with strong traditions still upheld today. The profession of iron mining was mainly carried out by men, but women also played an important role, particularly in separating the iron from the waste rock. The hard and arduous work created a great sense of solidarity among the miners. The dangerous work processes in mining are directly linked to the protection of St. Barbara. Miners‘ songs describe the work of the miners, while ingeniously simple iron crosses, tools and monstrances point to the importance of iron as a material. Since 2018, the Upper Styrian miners‘ customs have been considered an intangible UNESCO World Heritage.

Introduction MYTHOS ERZ
In 2024, the international artists in residence project “MYTHOS ERZ – Vordernberg” took place for the first time. It became clear that the participation of the population was accompanied by great interest, that Vordernberg offers interesting resources in terms of workspaces, workshops and exhibition spaces, that the rich industrial cultural history is far from exhausted, and that the municipality of Vordernberg and the association of Radwerk IV would welcome a continuation. The involvement of young people from Vordernberg and the surrounding area is particularly important, as the new identification with the town of Vordernberg and its history can counteract the major depopulation movement and provide new impetus for the development of the place.

The international Artists in Residence project was continued in 2025 with “MYTHOS ERZ ZUKUNFT VORDERNBERG”. While the basic idea of the project remained the same, it had a new focus: first and foremost, the involvement of young people from Vordernberg and the surrounding area through a cooperation with the Peter Rosegger Elementary School in Trofaiach.

In 2026, “MYTHOS ERZ VISION VORDERNBERG” will focus even more strongly on the future development of the town for future generations. Today’s young people will experience the next turn of the century, which raises the question of how, using the example of Vordernberg, it is possible to conceive and shape a new, livable future and what concrete steps are necessary to achieve this future.

 

Method and aim of the project
The focus of the international artists in residence project is on the material iron with its various aspects:

  • The place: working with public space, history, traditions, social aspects and the population that is involved in the artistic work
  • Art practice: interweaving contemporary ideas and digital technology with traditional craftsmanship of iron processing
  • Theoretical reflection on cultural anthropological issues

Vordernberg as a post-industrial place with a great industrial and cultural-historical past poses the following questions for contemporary art:

  • Can art’s ability to facilitate deep perception and thoughtful affection play a role in how we encounter the place and landscape in which we live?
  • Can contemporary art give new perspectives to an ending, depleting use of the land?
  • Can artistic works and practices, discussions and theoretical reflections encourage a quieter, humbler approach to space and landscape?
  • How can contemporary art give rise to new cultural life in a post-industrial space?

The invited artists from Austria, Croatia, Bulgaria, Ukraine and Italy are taking part in the international Artists in Residence project. New works of art are created in conjunction with local craftspeople, schoolchildren and the miners‘ association, through discussions, anthropological research and public performances. The focus will be on Vordernberg, its history and cultural-historical significance, mining, the landscape and the living conditions of the people. Encounters with local people play a central role. The aim of the project is to use contemporary art to inspire the development of the post-industrial, rural area of Vordernberg.

Cooperation with
Peter Rosegger Volksschule Trofaiach, Josef Krainer Volksschule Gai, Marktgemeinde Vordernberg, Verein Freunde des Radwerks IV, Kulturvermittlung Steiermark, VA Erzberg, SPÖ Frauen, Knappschaft Vordernberg, Goldhaubengruppe Vordernberg

Financial support by
Land Steiermark Kultur, Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport, Land Steiermark Bildung und Gesellschaft, OeAD, Marktgemeinde Vordernberg, VA Erzberg

Project Assistance
Marie Maierhofer

Project Management
Luise Kloos

Organization
next – Verein für zeitgenössische Kunst
069911460941
luisekloos1@gmail.com
www.nextkunst.at